Steuer-Abzocke auf Kapitalerträge: Papiergewinne sollen versteuert werden.

In Holland hat gerade ein Gesetz die erste Hürde passiert, das Luftgewinne besteuern will. Hier einige Simulationen zur Wirkung einer solchen Steuer. Spoiler: Sie macht Altersvorsorge praktisch unmöglich.
Beispielrechnung zum Gedankenexperiment:
https://x.com/BitcoinNewsCom/status/2021978390870347923?s=20
Vereinfachte Berechnung bei Null-Volatilität und mit Freibetrag:
https://x.com/EneNoob/status/2014629098518139344?s=20
Einige Antwort auf Zuschauerfragen:
F: Wurde berücksichtigt, dass der auf staatlicher Einnahmenseite vorhandene Nachteil ggf. durch die Zinsersparnis aus geringerer bzw. verzögerter Neuverschuldung mehr als ausgeglichen wird?
A: Das wurde durch den Abzinsungsfaktor der Steuereinnahmen berücksichtigt. Durch die 3% rechne ich so, dass sich der Staat bis zur tatsächlichen Steuerzahlung zu 3% zusätzlich verschulden muss bzw. kann.
F: Im letzten Beispiel weist die Grafik einen Brutto-Endwert-Portfolio am Ende der Anlagezeit von ca.
9 Mio. € auf. Nach Besteuerung sinkt der Vermögensstand auf ca. 4 Mio. €. Dies entspräche ungefähr einer Besteuerung von 55 %. Ist das nicht falsch?
A: Ich habe auch erst gedacht, dass das ein Fehler ist, aber tatsächlich findet direkt vor der Auszahlung noch eine negative Renditeentwicklung statt.
►WEITERE INFORMATIONEN VON TEAM RIECK
1. Das Vermögensteuer-Paradoxon: Strategische Fehlanreize
Die Geschichte zeigt, dass Steuersysteme nur dann stabil sind, wenn sie die Wahl der Anlageform nicht künstlich beeinflussen. Das deutsche Bundesverfassungsgericht rügte die Vermögensteuer im Jahr 1997 nicht aus einer moralischen Haltung heraus, sondern aufgrund eines Verstoßes gegen das Gleichheitsprinzip: Die massive Unterbewertung von Immobilien gegenüber Geldvermögen verzerrte das Spielfeld. Eine Steuer auf unrealisierte Gewinne ist faktisch eine jährliche Vermögensteuer mit variablem Hebel.
In einem globalen Wettbewerb wählen mobile Akteure die Option des Verlassens eines Standorts, wenn die Kosten des Verbleibs den Nutzen übersteigen. Frankreichs Erfahrung mit der damaligen Vermögensteuer verdeutlicht das Ergebnis dieses Spiels: Die Kapitalflucht war so massiv, dass die Mindereinnahmen bei anderen Steuerarten den Ertrag der neuen Steuer bei weitem übertrafen. Der Staat spielt hier letztlich gegen seine eigenen langfristigen Interessen.
2. Das Liquiditäts-Dilemma: Erzwungene Liquidation
Wer ein hohes Vermögen auf dem Papier besitzt, aber über wenig Bargeld verfügt – wie etwa ein Startup-Gründer nach einer erfolgreichen Finanzierungsrunde oder ein Landwirt –, wird durch eine Steuer auf fiktive Gewinne zu einem verlustreichen Schritt gezwungen: dem Teilverkauf seiner Substanz.
Ein Gründer, der Anteile veräußern muss, um Steuern auf einen theoretischen Buchwert zu zahlen, verliert strategischen Einfluss und die Motivation, das Unternehmen weiter zu skalieren. Der Staat induziert hier eine ineffiziente Verteilung von Ressourcen.
3. Verhaltensökonomik: Die Gefahr der Panikverkäufe
Nach den Erkenntnissen der Verhaltensökonomie wiegen Verluste in der menschlichen Wahrnehmung etwa doppelt so schwer wie Gewinne. Eine Steuer auf Buchgewinne wird als Entzug empfunden, noch bevor der tatsächliche Nutzen realisiert wurde. Strategisch führt dies zu einem gefährlichen Herdenverhalten: Sinken die Kurse nach einem Steuerstichtag, müssen viele Anleger gleichzeitig verkaufen, um die Steuerschuld für Gewinne zu begleichen, die auf dem Papier längst wieder verschwunden sind. Dies kann Marktabstürze wie eine Lawine beschleunigen.
4. Die Asymmetrie des Verlustvortrags
In einem fairen Spiel teilen Partner Chancen und Risiken gleichermaßen. Das vorgeschlagene System etabliert jedoch eine asymmetrische Partnerschaft zwischen Staat und Bürger. Der Staat partizipiert bei Buchgewinnen sofort durch eine cash-wirksame Zahlung. Verluste hingegen werden meist nur als steuerlicher Vortrag für die Zukunft gewährt.
Ökonomisch betrachtet ist dies ein ungleicher Tausch: Die sofortige Zahlung an den Staat entzieht dem Anleger Kapital, das nicht mehr für Zinseszinsen arbeiten kann. Die spätere Verrechnung von Verlusten ist hingegen weniger wert, da sie erst in der Zukunft wirkt und unsicher ist. Der Staat agiert hier als Partner, der die Gewinne sofort einstreicht, sich aber bei den Verlusten auf einen Gutschein für später zurückzieht.
►WEITERES VON CHRISTIAN RIECK:
○Instagram: https://www.instagram.com/profrieck
○Twitter: https://twitter.com/ProfRieck
○LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/profrieck
#profrieck #eu #steuern
Hinweis: Die angegebenen Links können Affiliate-Links sein, bei denen ich eine Provision bekomme.
Haftungsausschluss: Dies ist ein Bildungskanal, kein Finanz- oder Medizinkanal. Der Inhalt meiner Videos bzw. Podcasts dient ausschließlich zur allgemeinen Information und ist kein finanzieller oder medizinischer Rat oder gar eine persönliche Empfehlung.

Beispielrechnung zum Gedankenexperiment:
https://x.com/BitcoinNewsCom/status/2021978390870347923?s=20
Vereinfachte Berechnung bei Null-Volatilität und mit Freibetrag:
https://x.com/EneNoob/status/2014629098518139344?s=20
Einige Antwort auf Zuschauerfragen:
F: Wurde berücksichtigt, dass der auf staatlicher Einnahmenseite vorhandene Nachteil ggf. durch die Zinsersparnis aus geringerer bzw. verzögerter Neuverschuldung mehr als ausgeglichen wird?
A: Das wurde durch den Abzinsungsfaktor der Steuereinnahmen berücksichtigt. Durch die 3% rechne ich so, dass sich der Staat bis zur tatsächlichen Steuerzahlung zu 3% zusätzlich verschulden muss bzw. kann.
F: Im letzten Beispiel weist die Grafik einen Brutto-Endwert-Portfolio am Ende der Anlagezeit von ca.
9 Mio. € auf. Nach Besteuerung sinkt der Vermögensstand auf ca. 4 Mio. €. Dies entspräche ungefähr einer Besteuerung von 55 %. Ist das nicht falsch?
A: Ich habe auch erst gedacht, dass das ein Fehler ist, aber tatsächlich findet direkt vor der Auszahlung noch eine negative Renditeentwicklung statt.
►WEITERE INFORMATIONEN VON TEAM RIECK
1. Das Vermögensteuer-Paradoxon: Strategische Fehlanreize
Die Geschichte zeigt, dass Steuersysteme nur dann stabil sind, wenn sie die Wahl der Anlageform nicht künstlich beeinflussen. Das deutsche Bundesverfassungsgericht rügte die Vermögensteuer im Jahr 1997 nicht aus einer moralischen Haltung heraus, sondern aufgrund eines Verstoßes gegen das Gleichheitsprinzip: Die massive Unterbewertung von Immobilien gegenüber Geldvermögen verzerrte das Spielfeld. Eine Steuer auf unrealisierte Gewinne ist faktisch eine jährliche Vermögensteuer mit variablem Hebel.
In einem globalen Wettbewerb wählen mobile Akteure die Option des Verlassens eines Standorts, wenn die Kosten des Verbleibs den Nutzen übersteigen. Frankreichs Erfahrung mit der damaligen Vermögensteuer verdeutlicht das Ergebnis dieses Spiels: Die Kapitalflucht war so massiv, dass die Mindereinnahmen bei anderen Steuerarten den Ertrag der neuen Steuer bei weitem übertrafen. Der Staat spielt hier letztlich gegen seine eigenen langfristigen Interessen.
2. Das Liquiditäts-Dilemma: Erzwungene Liquidation
Wer ein hohes Vermögen auf dem Papier besitzt, aber über wenig Bargeld verfügt – wie etwa ein Startup-Gründer nach einer erfolgreichen Finanzierungsrunde oder ein Landwirt –, wird durch eine Steuer auf fiktive Gewinne zu einem verlustreichen Schritt gezwungen: dem Teilverkauf seiner Substanz.
Ein Gründer, der Anteile veräußern muss, um Steuern auf einen theoretischen Buchwert zu zahlen, verliert strategischen Einfluss und die Motivation, das Unternehmen weiter zu skalieren. Der Staat induziert hier eine ineffiziente Verteilung von Ressourcen.
3. Verhaltensökonomik: Die Gefahr der Panikverkäufe
Nach den Erkenntnissen der Verhaltensökonomie wiegen Verluste in der menschlichen Wahrnehmung etwa doppelt so schwer wie Gewinne. Eine Steuer auf Buchgewinne wird als Entzug empfunden, noch bevor der tatsächliche Nutzen realisiert wurde. Strategisch führt dies zu einem gefährlichen Herdenverhalten: Sinken die Kurse nach einem Steuerstichtag, müssen viele Anleger gleichzeitig verkaufen, um die Steuerschuld für Gewinne zu begleichen, die auf dem Papier längst wieder verschwunden sind. Dies kann Marktabstürze wie eine Lawine beschleunigen.
4. Die Asymmetrie des Verlustvortrags
In einem fairen Spiel teilen Partner Chancen und Risiken gleichermaßen. Das vorgeschlagene System etabliert jedoch eine asymmetrische Partnerschaft zwischen Staat und Bürger. Der Staat partizipiert bei Buchgewinnen sofort durch eine cash-wirksame Zahlung. Verluste hingegen werden meist nur als steuerlicher Vortrag für die Zukunft gewährt.
Ökonomisch betrachtet ist dies ein ungleicher Tausch: Die sofortige Zahlung an den Staat entzieht dem Anleger Kapital, das nicht mehr für Zinseszinsen arbeiten kann. Die spätere Verrechnung von Verlusten ist hingegen weniger wert, da sie erst in der Zukunft wirkt und unsicher ist. Der Staat agiert hier als Partner, der die Gewinne sofort einstreicht, sich aber bei den Verlusten auf einen Gutschein für später zurückzieht.
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